8.2

Mann schwieg. In seiner Brust hämmerte die Maschine eines sinkenden Schiffes. Er versuchte, sich zu beruhigen, indem er an etwas anderes dachte. An was?

Unwillkürlich erinnerte er sich an den langen Weg aus den Bergen hierher; an die frische Kühle der kalifornischen Nacht und den glitzernden Spiegel des Friedlichen Ozeans; an das Lichtermeer von Los Angeles. Immer schon, seit den frühen Jahren seiner Fernsehjugend, hatte er in Amerika leben wollen, am Meer, in einem Haus in Malibu. Einschlafen mit dem Rauschen der Wellen im Ohr.

Der Pool, der dort draußen auf seinen leblosen Körper wartete, war ein lausiger Ersatz dafür. Ein typisch kalifornischer Billigtraum; Massenglück aus der Retorte.

Aber Harry Mann würde nichts vermissen. Und niemand auch würde ihn vermissen; nicht einmal Gal, die er so sehr liebte.

Los Angeles, erklärte er mit angehaltenem Atem der bollernden Maschine unterhalb seines Kinns, diesem Klumpen Energie, der nicht sterben wollte, Los Angeles gleicht einem gigantischen Beduinenlager, das von widrigen Winden übers Meer gespült worden ist. Wie in dem Stück von Pirandello: Sechstausend Supermärkte suchen eine Stadt und können sie inmitten von Apartmentkomplexen, Bungalowsiedlungen und Freeway-Auffahrten nicht finden.

Ein Krampf zog seinen Unterleib zusammen. Es gab keine Hoffnung mehr, an die er sich hätte klammern können. An etwas anderes zu denken, half hier auf Dauer sowenig wie beim Ficken. Er war auf der falschen Seite des Todes gelandet. Der Mörder als Leiche. In seinen Eingeweiden tobte jetzt der letzte andere Krampf. Nicht Lampenfieber, sondern die Angst vorm großen Einschlafen.