8.3

Vor jedem neuen Leben stand das Überleben.

Der Körper, den er sich gekauft hatte, begann ihn zu erregen. Die Mexikanerin lag bewegungslos und stumm da und wehrte sich wehrlos gegen den fremden Mann in ihr und gegen die Lust, die sie nicht wollte. Je heftiger er stieß, desto tiefer verkrallten sich ihre Hände in das Laken, als müsse sie Schmerzen unterdrücken. Alle Kraft bot sie auf, um ruhig und gleichmäßig zu atmen. Der schlechte Geschmack in Manns Mund verstärkte sich. Er fühlte sich elend wie immer, wenn er für etwas bezahlen musste, das er lieber geschenkt bekommen hätte.

„Wie werde ich sterben?“ sagte er plötzlich, ohne dass er es wollte.

Die Mexikanerin zuckte erschreckt zusammen. Er war froh, dass sie kein Wort verstand. Sie atmete jetzt tiefer und schneller.

„Vielleicht wie der fette Pater gestern?“ Er sprach immer noch laut, zu laut und zu wütend. „Oder wie jetzt, in einer Hotelsuite allein mit irgendeiner Frau, die mich verachtet?“

Das dürre Mädchen atmete gieriger und stöhnte zugleich schluchzend auf. Der Schreck über die harten deutschen Laute hatte ihre Kontrolle zusammenbrechen lassen. Er spürte, dass sie an einen anderen dachte und dass ihr Körper sie doch mit seinem riss.

„Wie werden wir schon sterben?“ hatte Anne ihm einmal auf diese Frage geantwortet. „Wie die meisten halt: auf einer Intensivstation, mit Kanülen in den Armen und Schläuchen im Hals und nicht mal allein mit uns selbst.“

Sein verkrampfter Unterleib begann zu schmerzen. Vielleicht war ein Leben ohne Gal so falsch und leer wie das dürre Mädchen voller Liebe und Hass war, aber jetzt, gerade jetzt, wollte er nicht sterben.