9 Nichts als die Wahrheit

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Beim unvermeidlichen Händeschütteln platzierte sich ihr Gastgeber seitlich und schaute nicht von Brauchangen oder sie an, sondern ließ seinen Blick in Richtung Ferne schweifen.

Karin Block, entspannt, wie sie nun war, konnte nicht anders, als diese schamlose Medien-Professionalität zu bewundern. Selbst auf der von aller Öffentlichkeit verlassenen Vorortstraße hatte der Kanzler mit fast schlafwandlerischer Sicherheit die gewohnte Stellung eingenommen, das beziehungslose Nebeneinander und Für-andere-Dasein vor dem Kameraauge, dem am anderen Ende des Fernsehnetzwerks, vor der heimischen Glotze, dieselbe Position auf der Couch entsprach. Einzige Ausnahme: die Hundenummer.

Für Sekunden huschte die Erinnerung an die Nacht vor vielen Jahren durch ihren Kopf, als Wineck und sie es bei einem Porno gemacht hatten. Ein Fernsehfick; einmal wie keinmal und nie wieder.

Der Fahrer hielt ihnen die Türen.

„Gute Reise!“ wünschte der Kanzler, und obwohl er es mit der üblichen Lautstärke und gewohnheitsmäßigen Freundlichkeit hinaustrompete, klang es in Karin Blocks Ohren wie: „Lasst euch hier nicht so schnell wieder blicken! Alle beide nicht!“

Des Kanzlers Wunsch war ganz in ihrem Sinne. Dieses Frühstück hatte sie mehr genervt als jede von Winecks bekloppten Sex-Ideen; wobei sie allerdings nicht wusste, warum sie sich ausgerechnet jetzt an die bizarren Nächte mit Paul Wineck erinnerte.

Die Tür des Rolls Royce schloss sich. Der Fahrer stieg vorne ein.

„Wann geht der Flieger?“ fragte Karin Block.

„In anderthalb Stunden“, sagte der Fahrer.

„Schaffen wir das?“ fragte Karin Block.

„Bequem“, antwortete der Fahrer.