9 Nichts als die Wahrheit

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Karin Block ließ die Trennscheibe hoch surren. Was sie mit Professor von Brauchangen zu besprechen hatte, hörte der Mann am Steuer besser nicht. Zum ersten Mal war sie froh, dass sie nicht wie üblich einen Mercedes mit Chauffeur gemietet, sondern sich, um den Kanzler zu beeindrucken, für diesen pompösen Rolls Royce mit der klassenbewussten Schalldämmung entschieden hatte.

Sehr langsam und vollständig erschütterungsfrei rollten sie durch die Vorortsiedlung, vorbei an dem Einkaufszentrum, dem einzig belebten Platz, wo der Wind um die Betonecken fegte und die eingemummten, mit Plastiktüten beladenen Menschen, nur an Regierungslimousinen deutscher Bauart gewöhnt, verwundert stehenblieben und dem silbernen Ungetüm hinterher starrten.

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Harry Mann erwischte sich, wie er mit leeren Augen durch den Schirm des Computers stierte. Es war kurz vor zwei, und er konnte sich nur noch mühsam wach halten. Mit schweren Armen goss er sich Cognac nach, nahm einen Schluck und begann wieder zu tippen:

Nachdem Karin Block, Paul Wineck und der besagte „hohe Politiker“ sich grundsätzlich geeinigt hatten, bestand der nächste Schritt darin, vertrauenswürdige Organisatoren für die geplanten Transaktionen zu rekrutieren. Eigens zu diesem Zweck gründete man den „Europäischen Verein zur Förderung grenzüberschreitenden Denkens“ .

Sein Vorsitzender wurde, gewissermaßen als Vertreter der Politik, Professor von Brauchangen. Zum Geschäftsführer bestellte Karin Block einen ehemaligen Wehrmachtsoffizier und Stalingradkämpfer, der bereits als enger Vertrauter ihres verstorbenen Vaters einschlägige Erfahrungen hatte sammeln können: Pater Wolfgang Herlois.