9 Nichts als die Wahrheit

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„Waffenhändler müsste ich sein“, sagte sie mit gespielter Bitterkeit, „dann würde ich mich besserer Protektion erfreuen.“

Karin Block spürte den Ruck, den ihr Gegenüber sich gab.

„Was soll ich im einzelnen arrangieren?“ fragte er in einem angestrengt geschäftsmäßigen Ton zurück.

„Wer, glauben Sie eigentlich“, sagte Karin Block, ohne dass es wie eine Frage klang, „steckt hinter dieser seltsamen Mordserie? Wer könnte warum Interesse daran haben, Kelling, Hexter und die Schlosser von der Bildfläche verschwinden zu lassen, Ihrer Ansicht nach?“

„Sie vergessen Herlois“, sagte Brauchangen. „Und Wineck.“

„Nun, der wird sich irgendwohin abgesetzt haben. Was ja in seiner Lage nur vernünftig ist.“

Gegenüber der deutschen Polizei hatte Karin Block erklärt, dass Paul Wineck und seine Begleiterin Dori Albrecht nie auf ihrem Anwesen in Kalifornien eingetroffen waren. Selbstverständlich hatte niemand ihre Angaben in Frage gestellt. Auch der Kanzler hatte ihr geglaubt. Weil er ihr glauben wollte. Von Brauchangen jedoch sah sie seine Zweifel an.

„Das Motiv für die Mordserie kenne ich nicht“, sagte er in einem künstlichen Tonfall, als diktiere er eine Büromitteilung, „weshalb ich selbst seit Wochen in Angst und Schrecken lebe, da ich befürchten muss, eins der nächsten Opfer abzugeben …“

Karin Block musterte ihn entgeistert. Konnte ein Mann in von Brauchangens Position wirklich so harmlos sein? Oder wollte er ihr nur signalisieren, dass er von der Wahrheit nichts wissen wollte?

Kurz entschlossen legte sie ihre Hand auf sein rechtes Knie: „Alle Ermittlungen in den Fällen Kelling, Hexter und Wineck müssen eingestellt werden!“