9 Nichts als die Wahrheit

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„Das ist unmöglich!“ Von Brauchangen schien ehrlich entsetzt.

„Aber genau das ist notwendig, damit Sie und ich ungeschoren davonkommen. Auf dass Ihr geliebter Kanzler bleiben kann, was und wo er ist!“

Augen zu und durch, dachte Karin Block: Von Brauchangen würde es auf Anhieb verstehen oder nie. Sie lehnte sich in den Polstern vor und hob ihre Stimme.

„Außerdem muss in den Staaten Einfluss genommen werden. Es wird für uns alle das Beste sein, wenn die Untersuchungen der Todesfälle von Maria Schlosser, Herlois und Gallathea Kelling mit etwas weniger Nachdruck geführt werden …“

„Unmöglich!“

Von Brauchangen sah sie noch immer entgeistert an. Ganz allmählich schien ihm etwas zu dämmern.

Karin Block schüttelte den Kopf. Wie harmlos, wie unsäglich harmlos waren diese Leute, in deren Händen das Schicksal von sechzig Millionen Menschen lag!

*

Von Morgengrauen noch keine Spur. Harry Mann ließ die Lamellen der Jalousie zurückschnappen. In Deutschland war es gleich halb zwölf. Und vermutlich auch nicht viel sonniger als in dieser kalifornischen Nacht.

Mann ging zurück zu dem grauen Kasten, der auf dem Schreibtisch aus eisgrauem Marmor vor sich hin flimmerte, und las noch einmal die Absätze, die er zuletzt geschrieben hatte:

Über sieben fette Jahre arbeitete die Geldwaschanlage problemlos und zum Vorteile aller Beteiligten: Die Block-Firmengruppe spendete für die gemeinnützigen Zwecke des „Europäischen Vereins zur Förderung grenzüberschreitenden Denkens“ und erhielt im Gegenzug überhöhte Belege. Ein Großteil der Spenden wurde verabredungsgemäß an die Parteikasse abgeführt, geringere Beträge flossen direkt in die Taschen der beteiligten Politiker, insbesondere – via Wineck – in die des „hohen Politikers“, der dieses Vorgehen angeregt hatte.

Hinterbänkler Paul Wineck rückte zum niedersächsischen Innenminister auf, Professor von Brauchangen avancierte zum Schatzmeister der Berliner Landespartei, und auch der „hohe Politiker“ soll sich einen kräftigen Karriereschub verdient haben.