9 Nichts als die Wahrheit

Das Buch kann man auch bei Amazon kaufen!
Danach zerrte Peter Talmer sein Gepäck durch die Empfangshalle des Flughafens Tegel zu der Position, an der die Taxis warteten. Es war ein Kleinkrieg gegen die Schwerkraft. Die uniformierten Idioten hatten die beiden schwarzen Samsonites ausgiebig durchwühlt, so dass sie nun ungleichgewichtig gepackt waren und in einem fort von den Rollen kippten.

Am Zeitungsstand setzte er die Koffer ab und nutzte die Gelegenheit, sich mit aktueller Lektüre einzudecken.

Während „Bild“ sich wie immer unermüdlich mit den unwichtigsten Unwahrscheinlichkeiten dieser Welt beschäftigte und die „BZ“ dem notdürftig nacheiferte, hatte die „taz“ Paul Winecks Verschwinden zum Aufmacher aufgebauscht.

Peter Talmer kaufte alle drei Zeitungen und dazu noch den „stern“. Dann machte er sich wieder auf den schwankenden Weg. Dass die Taxis nicht zu den einzelnen Flugsteigen vorfahren durften, war ohnehin, zusammen mit der vollkommenen Abwesenheit von Gepäckträgern, eine typisch bürokratische Unverschämtheit. Sollten die Fluggäste doch sehen, wie sie weiterkamen; Hauptsache, in den Köpfen der zuständigen Beamten herrschte Ordnung.

Als er endlich im Taxi saß und der betagte Passat die Berliner Stadtautobahn entlang klapperte, schlug Peter Talmer die „taz“ auf und las, dass gegen den flüchtigen Harry Mann „belastende Verdachtsmomente“ wegen des Mordes an Irene Hexter und ihrem „Chauffeur“ vorlagen.

Diese besondere Aufmerksamkeit verdankte Harry dem Einfallsreichtum seiner großen Liebe. Talmer war dagegen gewesen. Er hatte es überflüssig und auch geschmacklos gefunden, den Pelikan-Füller, den er selbst seinem Freund geschenkt hatte, als angebliches „Fundstück“ an die Polizei zu schicken, um dadurch seinem Besitzer die Flucht zurück nach Deutschland zu verbauen.

Aber so, wie die Dinge sich entwickelt hatten, war das alles ziemlich bedeutungslos geworden.