9 Nichts als die Wahrheit

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Harry Mann schloss die Augen, aber die Erinnerung an diese Szene wurde dadurch nur noch klarer, schmerzender, als sei sie eingebrannt in die Innenhaut seiner Lider.

Viele Minuten vergingen, bis er sich zwang, weiter an seinem Bericht zu schreiben.

An jenem Nachmittag, tippte Harry Mann, an dem es zu der entscheidenden Auseinandersetzung zwischen Paul Wineck und Karin Block kam, befand ich mich zufällig auf ihrem kalifornischen Landsitz.

Worum es bei dem Streit im Detail ging, ist mir unbekannt. Von Frau Block selbst habe ich lediglich erfahren, dass Paul Wineck sie in Zusammenhang mit der Parteispendenaffäre erpresste und sie sich, da der „hohe Politiker“ auch auf ihr Drängen Paul Wineck seinen Schutz verweigerte, in einer außerordentlichen Zwangslage befand.

Als Wineck nun erneut mit Enthüllungen gegenüber der Presse drohte, wurde er vor meinen Augen von Karin Block kaltblütig erschossen.

Die Leiche ließ sie von einer Vertrauten beseitigen, einer ungefähr fünfundsechzigjährigen Frau, die bereits seit einigen Jahren in Karin Blocks Diensten steht und von ihr „Mamma“ genannt wird.

Und die, dachte Harry Mann, knappe zweihundert Meter von hier durch das hell erleuchtete Dienstbotengebäude geistert und wie ich nicht schlafen kann.

Die Toten wollten nicht weichen.

Harry Mann spürte wilde Lust, die Nacht in Brand zu stecken.

*

Peter Talmer hörte das halbe Dutzend Nachrichten auf seinem Anrufbeantworter ab und ließ sich dann, das Funktelefon in der Hand, mit einem tiefen Seufzer in das weiße Ledersofa gegenüber der langen Glasfront zur Sonnenterrasse fallen, von dem aus er einen hervorragenden Blick auf die Dächer Berlins hatte.

Endlich wieder zu Hause. Es war Samstagmittag halb zwei, und ihm brummte der Schädel.