9 Nichts als die Wahrheit

Mamma schloss den Schlag hinter ihm.

„Wir fahren zum Flughafen“, verkündete Karin Block.

Sie nahm eine halbvolle Flasche „Roederer“ aus der kleinen Bar, füllte ihr Glas nach und goss auch Harry Mann ein.

Die Limousine rollte sanft schwingend an. Harry Mann fühlte sich, als säße er in einer überdimensionierten Liebesgondel. Doch die Stimmung trog. Er hatte sein Glas kaum zum Mund gebracht, da unterbreitete Karin Block ihm schon ohne jede Umschweife ihren Vorschlag: ein kurioses Ultimatum von der verkehrten Art „Mein Geld oder dein Leben“.

Und er hatte eingewilligt. In den einzigen Ausweg, der ihm geblieben war – weil Karin Block es so wollte.

Harry Mann öffnete wieder die Augen und starrte auf den Bildschirm. Drei Tage war Gal tot, und seit sechsunddreißig Stunden war es nun diese Frau, die sein Leben in der Hand hielt.

Warum?

Warum war sie das Risiko eingegangen, Harry Mann zu verschonen, und warum hatte er ihr Angebot angenommen?

Harry Man stellte den Cognac vom Schreibtisch zurück auf den Boden. Karin Blocks Verhalten, die Bereitwilligkeit, mit der sie ihm Rede und Antwort gestanden hatte, waren zu ungewöhnlich gewesen. Zu offen und zu verworren. Für den Augenblick war er ihr Vertrauter. Ihr Mann fürs Grobe. Aber auf Dauer?