9 Nichts als die Wahrheit

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Er griff neben sich zu dem Rollwagen, in dessen unterer Etage die Flaschen mit seinen Lieblingsgetränken standen. Nichts war schlimmer, als nach einem Transatlantik-Flug mit Jetlag nüchtern zu werden.

Er goss sich einen Marc de Champagne ein, trank einen Schluck, seufzte noch einmal ausgiebig und wählte eine zehnstellige Nummer.

„Es klappt, Alter!“ sagte er, als Wolf Reym abhob.

„Wann?“

Peter Talmer konnte der Stimme am anderen Ende der Leitung die Aufregung anhören. Er verzog sein Gesicht zu einem mitleidigen Grinsen. „Heute Abend. Gegen sieben im Kempinski.“

„Wunderbar. Sehen wir uns vorher?“

„Keine Zeit, muss die Dame bei Laune halten. Wir treffen uns in der Lobby. Sei pünktlich.“

„Damit ich um so länger warten kann.“

„Klaro.“

„Dank dir!“ sagte Wolf mit viel Betonung.

„Wozu hat man Freunde, mein Alter? Heute ich dir, morgen du mich …“ Er wartete, bis Wolf pflichtbewusst lachte. Dann holte er Luft: „Aber komm allein. Unbedingt. Sonst platzt die Sache. Vor allem keine Fotografen!“

„Sicher. Natürlich nicht. Alles wie besprochen.“

„Bis dann“, sagte Peter Talmer und legte auf.

Es war schon beachtlich, wie naiv Wolf reagierte; wie blind er war in seiner Gier, das Interview mit Karin Block zu bekommen. Talmer schüttelte den Kopf und kippte den Rest des Marc.

Die aufklärerische Kompetenz der freien Presse wurde im Allgemeinen erheblich übertrieben.

Mit sich selbst hingegen konnte Peter Talmer zufrieden sein. Zu guter Letzt hatte er das Kind doch noch geschaukelt – wobei ihm obendrein seine beiden superschlauen Freunde auf den Leim gegangen waren. Nicht, weil er es so gewollt oder geplant hätte, sondern einzig und allein, weil sie ihn seit eh und je gefährlich unterschätzten.