9 Nichts als die Wahrheit

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Karriere-Wolf bemitleidete seine Berliner Szene-Existenz wegen hoffnungsloser Vorgestrigkeit, und Verlierer-Harry verachtete ihn, den Mercedes-fahrenden Kneipier, als großmäuligen Neureichen. Beide glaubten sie, dass ihr sturer Freund aus alten Tagen seine ohnehin nur bescheidenen Talente vergeudete.

Beide waren sie, jeder auf seine Art, selbstgerechte Klugscheißer, die ihm nichts zutrauten.

Und alle beide hatten sie keine Ahnung.

*

Die Stille machte Harry Mann nervös. Er stand auf und schaltete das Radio ein. Aus den Lautsprechern, die irgendwo in den Wänden versteckt waren, drang klassischer Lärm. Mann drehte den Zeiger auf „97.1“. Auf der Welle tobte der Typ, der Los Angeles stets rachentief „Los Han-CH-eles“ aussprach.

Harry Mann ließ sich wieder in den Schreibtischstuhl fallen. Erst drei Tage waren vergangen, seit er hier zum ersten Mal gesessen hatte, und fast ebenso lange lagerten die verkohlten Überreste von Gals weißem, unendlich weißem Körper in einem Tiefkühlfach in Downtown Los Angeles. Mann schüttelte seine verkrampften Schultern.

Warum allerdings, hatte er zuletzt geschrieben, Karin Block zu derart tödlichen Selbstschutzmaßnahmen griff, vermag ich mir nicht vollständig zu erklären.

Zögernd tippte er :

Zumal es jedermann einsichtig sein muss, dass der Schaden, den sie von einer Aufdeckung ihrer Machenschaften zu befürchten hatte – ein angeknackster Ruf und eine gewiss erträgliche Geldstrafe –, in keinem Verhältnis zu dem Risiko stand, das sie mit den von ihr angestifteten Morden einging.

Er wusste nicht weiter. Wie konnte er schildern, was er in Erfahrung gebracht hatte, ohne seine eigene Rolle in diesem mörderischen Spiel zu verraten und sich damit selbst unglaubwürdig zu machen?