9 Nichts als die Wahrheit

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Harry Mann saß da und trank Cognac. Und wie immer wenn er wirklich ratlos war, hatte er plötzlich eine ausgefallene Idee. Vielleicht würden seine Einsichten mit seiner Ehrlichkeit wachsen?

Er beschloss, eine zweite Rechnungslegung zu versuchen; einzig und allein für den Hausgebrauch. In ihr würde er festhalten, was er in der offiziellen Darstellung besser verschwieg. Er legte ein neues Dokument auf der Festplatte an, nannte es „Ungefragte Antworten“ und sicherte es.

Erstens, schrieb er: Bevor Gallathea Schmidt sich in Rudolf Kelling verliebte und ihn heiratete – aus Gründen, die zu verstehen, ich nicht geschaffen bin –, war sie lange Jahre Karin Blocks Privatsekretärin, ihre Assistentin, ihr Mädchen für alles …

*

Das schmiedeeiserne Gittertor zu dem Grundstück stand offen. Die schmale Nebenstraße lag an diesem unwirtlichen Samstagnachmittag kalt und menschenleer da. Doch so unbelebt, wie das Viertel schien, war es nicht. Beide Männer, die durch den Vorgarten den leicht geschwungenen Weg hinauf zur Eingangstür gingen, vorbei an dem künstlichen Goldfischteich, nahmen die leichten Bewegungen in den Gardinen der Häuser gegenüber wahr. Keiner ihrer Schritte entging den Nachbarn des beige verputzten Flachbungalows Am Rehwinkel Numero sieben.

„Dürfte den Tierchen bald zu kalt werden“, sagte Magnus ohne jeden Anflug von Ironie und deutete auf den Goldfischteich.

Sentimental und tierlieb wie alle rücksichtslosen Menschen, dachte Hauptkommissar Lang bei sich. Aber er sagte nichts. Auf der halbstündigen Fahrt hierher hatte sich zwischen den beiden Männern eine seltsame Spannung aufgebaut. Aus Gründen, die ihm selbst nicht ganz bewusst waren, wollte Lang den Streit nicht auslösen, der in der Luft lag.