9 Nichts als die Wahrheit

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Magnus fummelte eine kleine Ewigkeit ungeschickt an den drei Schlössern der bronzenen Haustür herum und versuchte, die richtigen drei Schlüssel mit der richtigen Seite in die drei richtigen Schlitze zu platzieren. Als er es endlich geschafft hatte, ließ er seinem Vorgesetzten den Vortritt.

Ein wenig zögernd trat Lang in die weitläufige, mit grünem Velours ausgelegte Halle. Die Luft roch muffig und nach Tod. Der Hauptkommissar blieb stehen und hielt den Atem an. Er hatte plötzlich das irrwitzige Gefühl, dass er dieses Haus so, wie er gekommen war, nicht wieder verlassen würde.

Magnus, der an den Ermittlungen im Mordfall Rudolf Kelling nicht beteiligt gewesen war und Kellings luxuriösen Bungalow heute zum ersten Mal sah, stürmte an Lang vorbei, betrachtete aufgeregt die primitiven Kultgegenstände, die die Empfangshalle dekorierten, und schnalzte bewundernd mit den Lippen.

„Nicht schlecht gelebt, die Dame und der Herr“, sagte er. „Und nun sind sie alle beide mausekalt und Fraß für die Würmer …“

Der neidische Triumph, der in Magnus’ Stimme mitschwang, ärgerte Lang.

„Wie wir alle es einmal sein werden, mein Lieber“, antwortete er etwas zu bissig, drehte sich um, durchquerte die gut zehn Meter lange Halle und öffnete die Tür zu dem großen, halbleeren Raum, der als Esszimmer diente. Auf dem Boden lagen weiße Kacheln, an den Wänden glänzte weißlackierte Raufaser.

Magnus folgte ihm und setzte sich in einen der sechs schwarzweißen Lederstühle, die um den Glastisch standen. Prüfend rutschte er auf der Sitzfläche herum, als teste er den Stuhl zum Zwecke eines Kaufes.

„Gar nicht so unbequem, wie sie aussehen.“

Lang sah ihn angewidert an. Er hasste Leichenfleddererei. Die Bewohner waren tot, ihr Gut herrenlos. Magnus gehörte zu der Sorte Mensch, die sich, wenn man sie in einer solchen Situation unbeobachtet ließ, mit der einen oder anderen Kleinigkeit bediente. Wie es selbst im Polizeidienst immer mehr zur Regel wurde.