9 Nichts als die Wahrheit

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Er trank einen Schluck Cognac aus dem halbvollen Wasserglas und schwenkte es dann hin und her, bis die goldgelbe Flüssigkeit hoch an den Rand schwappte. Selbst wenn er immer noch nicht alles wusste und vieles von dem, was er wusste, nicht einmal verstand – besser war es, den Bericht zu schreiben und ihn bei einem Notar zu hinterlegen.

Eine Kopie zur überlebensfreundlichen Kenntnisnahme an Karin Block. Im Verein mit dem Tonband, das er Peter geschickt hatte und das sein Freund für ihn aufbewahren sollte, würde seine Darstellung gewiss genügend Belastungsmaterial enthalten, um sie daran zu hindern, den Zeugen ihres Mordes an Paul Wineck kurzerhand beseitigen zu lassen.

Harry Mann stellte das Glas in sicherer Entfernung von der Tastatur des Computers ab und begann, dem kleinen grauen Kasten sein Wissen anzuvertrauen:

Ich, Harry Mann, im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte …

Er musste lachen und trank gleich noch einen kräftigen Schluck Cognac. Es klang zu absurd, aber so hatte er es einmal gelesen. Also weiter:

… lege im folgenden wahrheitsgemäß nieder, was mir am Donnerstag, dem 17. September dieses Jahres, in Los Angeles von Frau Karin Block im Hinblick auf ihre Verwicklung in die allseits bekannte Parteispendenaffaire sowie das Verschwinden des niedersächsischen Ex-Innenministers Paul Wineck anvertraut wurde. Die Darstellung der Frau Block werde ich im folgenden lediglich durch Beobachtungen ergänzen, die ich persönlich machen konnte und deren Wahrheit ich hiermit an Eides Statt versichere.

Karin Block und Professor von Brauchangen, heute Schatzmeister der Berliner CDU, lernten sich Ende der siebziger Jahre auf einer Party kennen, die von der Familie Schlosser ausgerichtet wurde.

Herr von Brauchangen war ein unterbezahlter Professor der Rechtswissenschaften mit unbefriedigten Ambitionen. Seine akademische Bedeutungslosigkeit suchte er seit einigen Jahren schon mit mäßigem Erfolg in der Parteipolitik zu kompensieren.