9 Nichts als die Wahrheit

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Im Grunde jedoch kümmerte Wolf Reym das Wieso und Warum herzlich wenig. Ihn interessierte nur eins: Er, das verkannte As der Reporter, von seinen neidischen Kollegen als faul und arrogant geschmäht, würde in viereinhalb Stunden das Interview abräumen, für das sich die Journaille der Republik seit Wochen um Kopf und Kragen antichambrierte!

Ganz allein hatte er geschafft, woran sie alle gescheitert waren; auch der aufgeblähte Apparat seines eigenen Blattes mit seinen byzantinischen Hierarchien. Auf eigene Faust. Ein Mann allein. Nicht einmal den zuständigen Ressortleiter hatte er eingeweiht; da hätte er ja genauso gut eine Anzeige bei der Konkurrenz schalten können. Staunen würden die lieben Kollegen und Meckerfritzen, diese miesen Kröten, die in den vielen Gängen herumkrochen, unten am moosgrünen Boden, wo die Welt dunkel und eng war, und die deshalb neidisch zu jedem hinaufunkten, der mit großen Schritten über sie hinwegging. So wie er jetzt. Spätestens am Montag war er ein klarer Fall für eine Gehaltserhöhung.

Wenn er den Flieger nicht verpasste! Unruhig sah er auf die Uhr.

Gerade hatte er sich entschlossen, wieder hinauf in die Wohnung zum Telefon zu rasen, da bog das bestellte Taxi endlich um die Ecke. Es war zum Auswachsen!

Der Fahrer, ein behäbiger Dummsack, wie Wolf Reym auf den ersten Blick erkannte, schaute total scheintot drein und schlich, auf der Suche nach der richtigen Adresse, durch die enge Nebenstraße, als fahre er Tretauto.

Reym begann heftig zu gestikulieren, aber der Trottel ignorierte ihn, bis seine kurzsichtigen Augen endlich die gesuchte Hausnummer entdeckten. Am liebsten hätte Reym ihn zum Teufel geschickt. Doch dafür war es zu spät. Nicht einmal motzen durfte er. Die kleinste Verzögerung war inzwischen zuviel.