9 Nichts als die Wahrheit

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„Ich meine, wer‘“, sagte Mann. „Wer ist dieser Strindberg?“

„Ein Dichter mit Eheproblemen.“ Annes mitleidige Stimme sprach zu ihm wie zu einem geistig zurückgebliebenen Kind. „Sehr unglücklich, und das nicht nur, weil er schon lange tot ist.“

Er schwieg.

„Sag mal, die Leitung ist so schlecht“, fragte Anne schließlich, „rufst du aus Westdeutschland an?“

„Nee“, sagte Harry Mann, in Vermutungen über weibliche Intuition verstrickt, „ich bin in Kalifornien.“

Er konnte fast spüren, wie Anne zusammenzuckte. „Um Gottes willen! Da lässt du mich so lange quatschen? Das Gespräch wird ein Vermögen kosten!“

„Ich bezahl’s nicht.“

Anne schien erleichtert. Ihr Redefluss kam wieder in Gang. „Was machst du denn in Amerika?“

„Man wird ja noch mal verreisen dürfen, oder?“

„Wenn man sich’s leisten kann … Ich sag‘ immer, arbeitslos müsste man sein.“

„Sehr witzig …“

„Bei euch ist es jetzt tiefe Nacht, oder?“ fragte Anne mit einer versöhnlichen Stimme.

„Und bei euch regnet es, stimmt’s?“

„Stimmt.“

„Was macht dein Liebesleben?“ fragte er.

„Perfetto. Und deins?“

„Nicht existent.“

„Kaum zu glauben“, sagte Anne.

„Mästörbäschen“, sang Harry Mann, „can be fine.“

„‚Hair‘“, erkannte Anne sofort. „Lange nicht mehr gehört.“

„Mach’s gut“, sagte Mann.

„Sieh zu, dass du heile zurückkommst!“ Annes letzter Satz klang gedankenverloren dahingesprochen. Im Kopf war sie längst bei ihren Büchern.

Harry Mann legte auf. Dann saß er wieder allein da und dachte nach.