9 Nichts als die Wahrheit

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Aber auch längeres Nachdenken änderte nichts daran, dass sein Schicksal eine verblüffende Übereinstimmung mit dem abstrusen Zeug aufwies, das ihm Anne aus knapp achttausend Kilometern Entfernung erzählt hatte. Mit ein bisschen mehr Cognac im Kopf würde er vielleicht glauben können, dass sie recht hatte. Dass er, feige und selbstsüchtig, wie er sich verhielt, ein moderner Held war: Harry Mann am Tag danach, ein Überlebender.

Jedenfalls, solange seine Gegner es zuließen.

*

Die halbdunkle Mischung aus Café und Kneipe war gerammelt voll. Fritz Schlosser hockte sich auf einen der unbequemen Aluschwinger. Hinter dem Tresen bediente eine blonde Schönheit mit einem auffallend spitzen Kopf, der zur besseren Hälfte aus einem feuerroten Mund bestand; darüber hing eine schmale Nase und rundherum langes blondes Haar. Die Kellnerin war ebenso unfreundlich wie neu; Fritz Schlosser kannte sie nicht, und nur ihr schwellender Oberkörper ließ ihn etwas anderes wünschen.

Er schaute sich suchend um. Er brauchte einen Tisch, an dem er mit Olbig in Ruhe reden konnte. Es würde eine knifflige Verhandlung werden. Was sie einander zu sagen hatten, ließ sich unmöglich an einer Theke besprechen, während man gegen die dröhnende Musik anbrüllte.

Schlosser ärgerte sich über seine eigene Dummheit. Dass der Laden bei seiner Ku’dammnähe an einem späten Samstagnachmittag hoffnungslos überfüllt sein würde, hätte er sich denken können, als er ausgerechnet das „Vaterland“ als Treffpunkt vorgeschlagen hatte. Und Peter Talmer, der ihm jederzeit einen Tisch besorgt hätte, war nicht da. Auch das hatte er gewusst.