9 Nichts als die Wahrheit

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Mit jeder Minute, in der er nicht bedient wurde, fühlte sich Fritz Schlosser unwohler. Im Grunde war er sogar für dieses Spätjugendlokal inzwischen zu alt. Einen irritierenden Augenblick lang fiel ihm Maria ein, wie er sie zuletzt gesehen hatte: ihr kräftiger Körper unter dem Badeschaum verborgen, der schlaffe fleischige Arm aus der Wanne heraushängend, in der Luft ein feuchter süßlicher Geruch und darüber Ellens kurzer, erstickter Aufschrei, als sie beide, von ihrem erotischen Spaziergang durch das nächtliche Venice zurückgekehrt, die Leiche ihrer Mutter gefunden hatten.

Seitdem hatte sich seine Stieftochter, als ob sie von seiner Schuld etwas ahnte, vollständig von ihm zurückgezogen.

Fritz Schlosser fühlte sich nicht gut; und nichts war wichtiger für eine gute Verhandlungsführung, als dass man mit sich selbst im reinen war.

Endlich gelang es ihm, die Aufmerksamkeit des Mädels hinter der Theke auf sich zu ziehen. Er bestellte eine „Bloody Mary“. Es war ihm egal, dass dafür die falsche Tageszeit war. Seine innere Uhr tickte noch nach kalifornischer Zeit, und dort begann jetzt der Morgen nach einer Nacht, die er nicht geschlafen hatte.

Fritz Schlosser beobachtete, wie die Blonde mit dem feuerroten Mund seinen Drink mixte. Irgendetwas hatte das Mädel. Nur mit Mühe konnte er den Blick von ihr abwenden.

„Wer mit einem Fuß im Grabe steht, sollte die Pfoten vom jungen Fleisch lassen“, pflegte ihm Maria in ihrer aggressiven Geduld zu predigen, wenn eine seiner Affären mit mal schwarzhäutigen, mal blondhaarigen, so gut wie immer aber minderjährigen Wesen aufgeflogen war. Eine Vorliebe, von der Maria angewidert …

Maria …