9 Nichts als die Wahrheit

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Bei den Parkplätzen gegenüber entdeckte er Olbig. Sein Geschäftspartner stieg aus einem weißen Volvo und wirkte schon von weitem wie die Karikatur eines Ost-Agenten. Allein dieser Anzug! Eine Schießbudenfigur! Die Wirklichkeit war nie über das Niveau der besseren Thriller aus den Tagen des kalten Krieges hinweggekommen.

Fritz Schlosser schüttelte den Kopf und sah dabei aus den Augenwinkeln zwei Paare aufstehen, die im hinteren Teil des Lokals, wo das Poolbillard und die beiden nostalgischen Flippermaschinen standen, eine Nische okkupiert hatten. Er griff sein Glas und drängelte sich nach hinten durch, um sich den Platz zu sichern.

Sekunden später betrat Olbig das „Vaterland“ und schaute suchend umher, bis er Fritz Schlosser an dem Tisch in der Nische erblickte. Er kam auf ihn zu, streckte ihm die Hand entgegen und brüllte mit übertrieben selbstbewusster Lautstärke:

„Gut sehen Sie aus, hervorragend. Knackiges Kackbraun! Da kann man ja neidisch werden.“

Fritz Schlosser sprach die üblichen Erwiderungen, ohne sich selbst recht zuzuhören. Seit mehr Jahren, als ihm lieb war, kannte er die Präliminarien eines Treffens mit Olbig. Sein Kontaktmann war ein Gewohnheitstier, und zwar eins mit schlechten Gewohnheiten. Eine davon war die Fresssucht. Bevor sie nicht bestellt hatten, war mit Olbig kein vernünftiges Wort zu wechseln.

Von ihrem Tisch aus hatten sie einen hervorragenden Blick auf die Tafel mit den Tagesspezialitäten. In weißer Kreide stand auf ihr eine Auswahl des Üblichen: Paté, Salade Niçoise, Toast Florida, Elsässische Zwiebelsuppe, Steak Hawaii, Rote Grütze mit Vanillesoße. Fritz Schlosser wettete mit sich selbst, dass Olbig der Versuchung eines Gerichtes mit dem Namen „Hawaii“ oder „Florida“ nicht würde widerstehen können.

Er gewann. Olbig bestellte die Zwiebelsuppe, den Toast Florida und ein großes Bier. Zumindest in kulinarischer Hinsicht waren diese Ostleute allesamt vollkommen berechenbar.