9 Nichts als die Wahrheit

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Fritz Schlosser warf einen schnellen Blick auf den Schmerbauch seines Geschäftspartners, dachte an die eigene, mit jedem Lebensjahr wachsende Wölbung, die sich unter dem maßgeschneiderten Hemd sanft abzeichnete, und orderte nur einen Salat und ein Glas Sancerre.

Die blonde Bedienung notierte alles mit einer unerschütterlichen Gleichgültigkeit, in der sich schieres Desinteresse und ein Wille zur Gewissenhaftigkeit mühsam die Waage hielten.

Als sie davonschlich, langsam und lustlos, die schmalen Hüften wiegend, folgten ihr die Blicke der beiden Männer.

„Die hat Titten, wa?“ seufzte Olbig.

Schlosser nickte schwach. Ihm waren die Körperformen des Mädels egal. Jetzt ging es ums Ganze. Olbig mißverstand seine Reaktion.

„Au Scheiße“, sagte er, „das mit Ihrer Frau habe ich eben vollkommen vergessen. Tut mir leid.“

Schlosser winkte ab. „Sie wissen ja, wie wir zueinander standen. Mir liegt etwas anderes auf der Leber.“

„Raus damit!“ sagte Olbig und sah ihn aufmunternd an.

„Über fünf Jahre machen wir jetzt zusammen unsere Geschäfte“, begann er langsam.

Olbig sah ihn verblüfft an. „Mein Gott, das klingt ja wie ‘ne Grabrede. Was’n los?“

„Alles!“ sagte Schlosser.

Seine Miene bewog Olbig zu schweigen.

„Sie und ich“, fuhr Schlosser fort, „sind nur Mittelsmänner, und wir wissen, dass unsere Geschäfte nicht auf Neigung, sondern auf gegenseitiger Abhängigkeit beruhen. Unsere Beziehung ist das logische Ergebnis der höchst unterschiedlichen Notsituationen, in denen unsere Auftraggeber gerade stecken. Ändert sich die Situation, müssen sich auch unsere Beziehungen ändern. Rücksichten wie im üblichen Geschäftsverkehr brauchen, ja sollten wir im Interesse der Sicherheit beider Parteien nicht nehmen.“

Schlosser sah sein Gegenüber an. Olbig nickte, aber er tat es ohne echte Zustimmung. Es war ein Nicken, das lediglich die Dinge in Fluss halten sollte.