9 Nichts als die Wahrheit

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„Als meine Seite sich entschloss, die amerikanischen Beschränkungen für die Ausfuhr von elektronischen Bauteilen in den Ostblock zu umgehen“, sagte Schlosser in einem Ton, den er für diplomatisch hielt, „stand den betreffenden Firmen das Wasser finanziell bis zum Halse. Es war die Zeit einer großen Krise in unserer Branche, die durch strukturelle Veränderungen auf dem Weltmarkt … “

„Ja“, sagte Olbig, dem die Ungeduld ins Gesicht geschrieben stand. „Und wir bezahlen eure absurden Preise, weil ohne diese Computer-Scheiße nicht einmal unsere U-Bahn mehr fahren kann. So weit, so allseits bekannt. Wohin führt Ihr großer Anlauf?“

„Dahin, dass die Sache ein Ende haben muss.“ Schlosser bremste Olbigs beginnenden Einwand . „Nicht unbedingt für alle Ewigkeit. Aber sofort, was die Übergabe der Ware auf der Interzonenstrecke betrifft. Die Sache ist entschieden zu gefährlich geworden.“

„Sie meinen, die Morde an Kelling und Hexter …“

„Und Herlois“, sagte Schlosser.

„… haben mit unseren Geschäften zu tun?“ Olbig schaute zweifelnd drein. „Da hätten unsere eifrigen Staatsorgane doch was von merken müssen!“

„Und der Tod meiner Frau …“

Olbig sah ihn mißtrauisch an. „Ich denke, in diesem Fall gibt es einen terroristischen Hintergrund?“

„Wenn es um mein Leben geht“, sagte Schlosser, „dann denke ich gar nicht. Dann schaue ich mir die Fakten an. Einzig und allein die Fakten! Und eine unbestreitbare Tatsache ist, dass es in letzter Zeit einen Haufen Leichen gegeben hat. Ich weiß nicht, was Ursache ist, was Wirkung. Aber ich weiß, dass so gut wie alle, die auf meiner Seite an unseren Transaktionen beteiligt waren, in den vergangenen drei Wochen gestorben sind, und zwar …“