9 Nichts als die Wahrheit

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„Is’ aber laut Karte ‘ne Vorspeise“, erwiderte die Blonde ungerührt. Sie ließ einen schnellen Blick über den Tisch schweifen. „Besteck und Getränke kommen gleich,“ sagte sie im Gehen.

Olbig hörte ihr nicht zu, und er sah ihr diesmal auch nicht nach. Er starrte auf die Scheibe Dosen-Ananas.

„Wie im Mitropa“, sagte er mit einer Stimme, aus der existentielle Enttäuschung sprach.

*

Draußen war es, nach einer langen Nacht, plötzlich hell geworden. Vom Pazifik tief unten zog leichter Morgendunst herauf. Harry Mann ließ die Lamellen der Jalousie wieder zuschnappen. Todmüde wäre der passende Ausdruck für sein Körpergefühl, hätte das Wort nicht inzwischen für ihn einen unangenehmen Beiklang.

Noch einmal, nur noch einmal, wie er seinen schmerzenden Knochen versprach, schleppte er sich zu dem Schreibtisch aus grauem Marmor. Als er den Bildschirm aktivierte, starrten ihn die Sätze an, die er zuletzt getippt hatte:

… in einem Land, wo die Parteispendenaffäre so exotisch und so unwichtig war wie Zulu-Politik.

Genau dort war er nun gestrandet, hilflos und wohlversorgt, mit einem Bein im goldenen Käfig, mit dem anderen im Grab; und hätte er ein drittes zur Verfügung, so stünde das wohl in einer kalifornischen Todeszelle.

Karin Block, Pater Herlois und Gallathea Kelling haben mich für ihre Zwecke benutzt. Ich war ihre Marionette, schrieb Harry Mann. Als ich mich aber aus ihren Fäden befreite und dabei unfreiwillig zum Zeugen des Mordes an Paul Wineck wurde, stellte mein Wissen für Karin Block eine nicht geringe Gefahr dar.

Seitdem muss ich um mein Leben fürchten. Daran hat auch die Vereinbarung wenig geändert, die Karin Block und ich aus unser beider Bedürfnis nach Sicherheit vor dem anderen getroffen haben. Dieses Arrangement sieht vor, dass ich als Karin Blocks Leibwächter und Verwalter ihres kalifornischen Anwesens tätig bin, während sie alles Notwendige unternimmt, um mich vor den juristischen Folgen meiner Taten zu schützen …