9 Nichts als die Wahrheit

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Harry Mann lehnte sich in dem ledernen Schreibtischsessel zurück.

Nichts als die Wahrheit hatte er schreiben wollen; und einiges hatte er sich tatsächlich zusammenreimen können. Die Regeln des Spiels, in dem er anderer Leute Joker gewesen war, kannte er jedoch immer noch nur schemenhaft. Dabei glaubte er durchaus, alle notwendigen Informationen beisammen zu haben. Nur wollte es ihm einfach nicht gelingen, von den beobachteten Spielzügen auf die geheimen Regeln zurückzuschließen.

Wenn er ehrlich zu sich selbst war, so scheute wahrscheinlich sein Verstand vor den Tatsachen. Zu weitläufig, zu verwickelt und unglaublich unmoralisch waren die Geschehnisse für einen, der in der scheinheilen bundesdeutschen Welt aufgewachsen war. Was er in den vergangenen drei Wochen erlebt hatte, wie tief er sich aus seiner Berliner Hinterhofexistenz ins abenteuerliche Ende des zwanzigsten Jahrhunderts verirrt hatte, überschritt seinen Horizont bei weitem.

Gerade noch vorstellen konnte er sich, verschlagen in den Westen am Rande der Welt, was die Menschen zuhause in diesem Augenblick tun mochten: Peter tyrannisierte die Belegschaft seiner Kneipe und wartete auf den Beginn der Jagdzeit; Kati absolvierte die letzte ihrer therapeutischen Sitzungen, bevor sie sich ins samstägliche Nachtleben stürzte; Anne hockte vor ihren Büchern; Hauptkommissar Lang wahrscheinlich vor der Glotze, mit einem Bier in der Hand und in geduldiger Erwartung der Sportschau …

Diese Gedanken hatten etwas Beruhigendes. So weit reichte seine Vorstellungskraft. Wer aber die Drahtzieher des Komplotts waren, das sein Leben aus den gewohnten Bahnen gerissen hatte, was sie jetzt treiben mochten, was ihre nächsten Pläne waren, das verstand er nicht.