9 Nichts als die Wahrheit

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„Existenzfrage!“

Mann lockerte seine verkrampften Schultern, zögerte noch einen Augenblick und klickte dann auf den Knopf. Prompt erschien, begleitet von fünf Piepsern, ein Dialogfeld, das ihm in ordentlichen, offiziellen Druckbuchstaben die Frage aller Fragen stellte:

„Hat Harry Mann seinen ganz privaten Ausweg gefunden?“

Zufrieden klickte er die Bestätigung; und sofort fuhr der kleine graue Kasten die Festplatte herunter und verkündete unterwürfig:

„You may now switch me off safely.“

Harry Mann lächelte glücklich. Genauso sollte es sein. Alles wunderbar. Schön. Einfach und perfekt. Das Leben ließ sich aushalten; jetzt, wo er seinen Ausweg gefunden hatte.

Er schaltete den Computer ab, ging zu der langen Glasfront und ließ die Jalousien hochfahren. Hinter ihnen stand auf einem stahlblauen Himmel, umringt von Wattewölkchen, eine strahlende Postkarten-Sonne; dieselbe Sonne, die in Berlin gerade, nachdem sie einen trüben Tag lang ums Überleben gekämpft hatte, erfolglos und kalt unterging.

„Sehr symbolisch“, murmelte Harry Mann, während er nach dem Mechanismus suchte, der die Schiebetür öffnete.

Die exotische Parklandschaft davor wiegte sich in den heißen flimmernden Luftstößen des Santa-Ana-Winds, einer Art Fön, der laut „KLSX“ einen glühendheißen Tag um 100 Grad Fahrenheit versprach. Die Aussicht war von einer südlichen Schönheit, die den depressivsten Menschen froh stimmen musste. Und Harry Mann war an diesem Morgen alles andere als depressiv.

Für die nächsten Stunden plante er ein Frühstück im Freien. Die Katze hatte das Haus verlassen, und die Mäuse tanzten um den Pool. Ein Frühstück mit Champagner und allen Schikanen. Bis Karin Block zurückkam, war er der Chef hier.

Mit einem sanften Surren fuhr die Tür beiseite. Harry Mann atmete tief die frische Luft und trat hinaus in die Sonne.

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