9 Nichts als die Wahrheit

Das Buch kann man auch bei Amazon kaufen!
„Etwas läuft seltsam“, sagte Karin Block. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass hinter meinem Rücken Dinge geschehen sind, von denen ich keine Ahnung habe.“

„Zum Beispiel?“ fragte Peter Talmer.

Sie saßen seit einer guten Stunde in der Suite, die Karin Block im fünften Stock des Kempinski bewohnte, und tranken gegen die Dunkelheit und das Magendrücken an. Als Talmer gegen vier Uhr an ihre Tür geklopft hatte, ließ Karin Block sich gerade von einem Schwarm von Kellnern ein ebenso üppiges wie spätes Mittagessen servieren, und er hatte ihre Einladung nicht abgelehnt. Im Verein mit den drei Flugzeugmahlzeiten, die bereits unverdaut in seinem Körper lagerten, war ihm dieser letzte Nachschlag übel bekommen. Karin Block ging es, ihrem Gesicht und ihrem Alkoholkonsum nach zu urteilen, nicht besser.

„Zum Beispiel diese Abhörgeschichte.“ Sie sah ihn mit einem gewissen Misstrauen an. „Woher sollten Dori oder gar Paul das technische Know-how für so was haben? Ich meine, ich wüsste ja auch nicht, wo ich mir morgen auf die Schnelle die richtigen Minisender beschaffen könnte.“

„Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass da Profis am Werk waren“, sagte Peter Talmer. „Für so was reicht es schon, wenn du unter deinen Freunden oder Verwandten einen Elektronik-Freak hast oder einen Bullen oder was weiß ich. Der Zufall regiert die Welt.“

„Zufälle dieser Art passieren nicht einfach, die werden gemacht, mein Lieber“, sagte Karin Block. „Und zwar von Leuten wie uns, weshalb wir die Welt regieren, was bekanntlich kein Zufall ist. Aber lassen wir das.“ Sie stand auf und ging zu dem Barwagen. „Willst du was anderes trinken?“

Peter Talmer schüttelte den Kopf. „Dasselbe noch mal.“

Sie goss ihm einen Marc de Champagne ein und füllte sich selbst Southern Comfort nach.