9 Nichts als die Wahrheit

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„Nimm es als einfache, unverfängliche Frage“, sagte Karin Block, als sie ihm sein Glas brachte, aber ihr Gesicht strafte ihren beiläufigen Tonfall Lügen. „Hast du etwas dagegen, mit mir zu schlafen?“

Peter Talmer schüttelte den Kopf.

„In Erinnerung an alte Zeiten“, lächelte sie mit dem Charme einer sechsjährigen, die nach einer Zuckerstange giert.

Ihr Verhalten gab ihm das Gefühl, der Wiederholung eines alten Films beizuwohnen. So, fast genauso hatte er sie kennengelernt, vor anderthalb Jahrzehnten in der verwahrlosten kleinen Bar von San Francisco auf Formentera.

„Mit dir immer“, lächelte er zurück.

Und das meinte er auch. Aber selbst wenn er keine Lust gehabt hätte, nie wäre er so bekloppt gewesen, dieser Frau eine solche Wahrheit ins Gesicht zu sagen.

Automatisch sah er auf die Uhr. Wolf Reym kam um sieben.

„Wir haben genug Zeit“, sagte Karin Block, knöpfte ihre karierte Leinenbluse auf und zog sie über den Kopf. Dann ließ sie sich in einen der Sessel fallen und zerrte sich ihre Jeans vom Unterleib.

Sie war genau die Sorte Frau, die Peter Talmer suchte, wenn er jemanden finden wollte, daran hatte sich nichts geändert. Ihre Brüste waren gerade klein genug geblieben, um der Schwerkraft erfolgreich Widerstand zu leisten, und der zarte, sanft geschwungene Bauch, der in den Jahren dazugekommen war, hätte in jedem Abendkleid die richtige Wölbung erzeugt. Sie war schön, und dass sie kein bisschen mehr wehrlos oder verletzlich war, gefiel ihm. Aber etwas in ihrem Verhalten war falsch, unglücklich, fehl am Platze wie das Blut, das Talmer nervös in seinem Unterleib pochen spürte.

Er zögerte unwillkürlich einen Augenblick, bevor er die Jeans aufknöpfte. Karin Block fummelte derweil unschlüssig an ihrem recht durchsichtigen Slip. Die Spannung einer Mutprobe lag über dem Raum.