9 Nichts als die Wahrheit

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Karin Block saß immer noch auf dem Esstisch, die hellbraune Tischdecke halb um die Hüften geschlungen.

„Das war einer dieser wahnsinnigen Zufälle“, sagte sie. „Fritz hatte einfach Schwein. Am Abend vorher rief er ganz aufgeregt Herlois in den Pinewood Apartments an und erzählte, dass seine Frau durch einen dummen Zufall hinter die Ost-West-Transaktionen gekommen sei und nun verrückt spiele, weil damit ihre politische Karriere gefährdet sei und sie… blabla … Was er tun solle? Herlois konnte Gal nicht erreichen, weil die ja die ganze Nacht mit dir unterwegs war. Mich anzurufen hatte ich ihm wegen Winecks Besuch verboten. Also setzte er am nächsten Morgen kurz entschlossen das Kreuz auf dem Polaroid über den anderen Kopf.“

Peter Talmer, der sich allmählich nackter als nackt fühlte, setzte sich in einen der beiden geblümten Sessel. „Wo du nun schon einmal bei der allgemeinen Abfallbeseitigung warst“, fragte er, „warum hast du Harry dann nicht gleich beide Schlossers …?“

„Hätte ich auch, wenn Herlois mich gefragt hätte.“ Karin Block lächelte maliziös. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Sicher ist sicher. Denn nur tote Lippen reden bekanntlich nicht.“

„Ach“, sagte Peter Talmer, „und was hast du mit mir vor?“

„Deine Lippen, alter Freund“, sagte Karin Block und spitzte ihren Mund, „deine Lippen soll man küssen.“

Sie hüpfte von dem Tisch, nahm Peter bei der Hand, gab ihm einen Kuss und zog ihn mit sich.

Er sah sie fragend an.

Sie schüttelte den Kopf. „Es muss gleich sieben sein. Lass uns schnell zusammen duschen, wie wir es früher immer getan haben, und dabei erzählst du mir ein wenig über diesen Wolf Reym.“

„Da gibt’s nicht viel zu erzählen“, sagte Peter Talmer, während er in ihrem Schlepptau zu dem Badezimmer taperte. „Ein hemmungsloser Karriere-Fuzzi halt. Ich kenn’ ihn ewig; ursprünglich von einer Demo vor’m Amerika-Haus; ‘ne Zeitlang haben wir sogar zusammengewohnt. Ist aber alles eine Ewigkeit her. Der liebe Wolf hat heute mit sich selbst keine Ähnlichkeit mehr.“