9 Nichts als die Wahrheit

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Es begann damit, dass allnächtlich Streifenwagen in immer kürzeren Abständen langsam an dem Grundstück vorbeifuhren; bald parkte, wann immer der Hausherr daheim war, ein grüner Mannschaftsbus vor der Tür; und vor zwei Jahren schließlich hatte das Jägerzäunchen weichen müssen. Es war durch eine massive, zusätzlich mit Stacheldraht gesicherte Mauer ersetzt worden, hinter der in dem Vorgarten, dort, wo der Sandkasten der Kinder gelegen hatte, eine Baracke errichtet wurde. In ihr wachten rund um die Uhr grün uniformierte Beamte des Bundesgrenzschutzes.

An der Baracke vorbei und den mit bunten Mosaikkieseln ausgelegten Weg hinunter zu der elektronisch gesicherten Einfahrt spazierten jetzt zwei gutgelaunte Männer und eine geistesabwesend dreinblickende junge Frau.

Sie war Mitte Dreißig, hatte ihre langen schwarzen Haare zu einem zotteligen Zopf gebunden, wie ihn sich langmähnige Rockmusiker machten, und trug ein sehr elegantes stahlblaues Schneiderkostüm, das ihre schmale Figur durch hohe amerikanische Schultern betonte.

Die Männer an ihrer Seite waren gut zwanzig Jahre älter und hatten sich in schlecht sitzende graue Anzüge gezwängt, deren Jacketts sie gerade noch zuknöpfen konnten. Beider gewölbte weiße Hemdenbrust zierten überbreite Krawatten mit monotonen Mustern, und ihre schweren Schritte taten sie in ausgelatschten, aber glänzend gewienerten Schuhen.

Der kleinere der beiden Männer winkte leutselig hinüber zu der Baracke.

„Einen wunderschönen guten Morgen, Herr Bundeskanzler!“ grüßte der junge Beamte, der hinter der offenen Glasscheibe in einem bilderreichen Magazin blätterte, mit einem zackigen Unterton zurück.

Der Kanzler nickte zufrieden.