9 Nichts als die Wahrheit

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Und dennoch, Karin Block konnte sich nicht vorstellen, wie er sich verhalten würde, wenn sie mit ihren Forderungen einfach herausplatzte. Würde er sie fragen, warum sie auf Winecks im Grunde harmlose Erpressung so rücksichtslos zugeschlagen hatte?

Wohl kaum. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wusste der mächtigste Mann der Republik seit langem, dass es bei Karin Blocks Schwierigkeiten um weit mehr als einfache Steuerhinterziehung ging.

Die Pforte öffnete sich mit einem lauten Summen. Davor standen zwei uniformierte Beamte mit geschulterten Maschinenpistolen, zwei zivile Herren, deren Jacketts an der Hüfte ausgebeult waren, und der Chauffeur des Rolls Royce, mit dem Karin Block und Professor von Brauchangen gekommen waren.

Sogar das Hochsicherheitstor hatte eiserne Schnörkel! Karin Block schüttelte es unwillkürlich. Alles, was sie heute gesehen hatte, bewies nur eins: Der Mann, der mit Hilfe ihres Geldes an die Spitze des Staates gelangt war, besaß einfach keine Klasse.

Der Kanzler hielt seinen Gästen die Pforte auf. Karin Block wusste, dass sie dabei war, ihre letzte Chance zu vertun.

„Also …“, setzte sie entschlossen an.

„Also!“ unterbrach sie der Kanzler mit einem entschuldigenden Lächeln und wandte sich von Brauchangen zu: „Sie erledigen das dann!“

Der räusperte sich lautstark und verlor einen unsicheren Blick über den Kopf des Kanzlers zurück zur Baracke. Bevor der überforderte Professor jedoch nachfragen konnte, kam ihm der Kanzler zuvor:

„Was immer Frau Block wünscht! Sie haben freie Hand.“

Es war der erlösende Satz.

Karin Block atmete erleichtert durch. Vielleicht hatte der Kanzler doch mehr von ihren Andeutungen verstanden, als er zu erkennen gegeben hatte? Seine Anweisungen an von Brauchangen waren jedenfalls eindeutig: Erledige das, aber ich will nichts davon wissen!