Epilog: Wiedersehen mit Harry Mann

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Sehr interessant, wenn auch wenig hilfreich in irgendeinem praktischen Sinne, war zum Beispiel ein langes Telefonat, das ich auf seine Vermittlung hin mit Dr. phil. habil. Anne Ebreck-Bitsch führte – über „Theorie und Geschichte des Kriminalromans“. Harry Manns Ex-Freundin hielt gerade eine Vorlesung zu diesem Thema, arbeitete an einem thematisch ähnlichen Aufsatz und versprach, mir das Manuskript zu schicken, sobald es fertig sei. Ich warte bis heute darauf.

Hilfsbereiter jedoch, als Harry Mann es gewesen war, konnte kein Mensch sein. Also schickte ich ihm, kaum dass ich es fertig hatte, das Manuskript, gespannt auf seine Reaktion.

Der Zufall wollte es, dass wir uns wieder auf derselben Geburtstagsparty trafen. Wie bei unserer überraschenden Begegnung vor zwölf Monaten war es eine sternenklare kalifornische Herbstnacht. Wir standen nicht weit von dem strahlend blauen Pool und klimperten mit den Eiswürfeln in unseren Gläsern.

„Und?“ fragte ich ihn ein wenig ängstlich. „Was hältst du davon?“

„Überhaupt nicht wiederzuerkennen“, sagte er, „weder ich noch die Wahrheit. Total daneben und bisweilen richtig widerlich. Tote Lippen muss ich küssen! Du hast unverschämt an der Wirklichkeit vorbeigelogen.“

„He still is the most horrible man of the world!“ lachte die dürre Frau an seiner Seite, die ich inzwischen Kati Sell genannt hatte. Sie trug diesmal einen engen schwarzen Mini-Rock und war bester Laune, was allerdings nicht erklärte, warum sie ständig englisch redete.

„Nein, nein“, sagte Harry Mann und legte mir seine Hand entschuldigend auf die Schulter. „Das sollte keine Kritik sein. Du hast nur dein Versprechen gehalten, das Geheimnis meiner Identität zu wahren. Außerdem finde ich diese Umschreiberei wunderbar. So genau kommen realistische Fiktionen zustande. Du gehst von der Realität aus und verdrehst sie so lange, bis deine Version wahrer ist, als es die Wirklichkeit je sein könnte.“