Epilog: Wiedersehen mit Harry Mann

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Was er mir erzählte, mochte ich zunächst nicht glauben. Alles erschien mir beim ersten Hören schamlos erfunden, ein Produkt der naiven Phantasie eines arbeitslosen Ex-Studenten, der nach dem ersten Staatsexamen aufgegeben hat und seitdem in einer Welt aus Tagträumen lebt; die unwahrscheinliche Reinrutsch-Story eines halblinken Verlierers, der selbst nicht glaubt, dass er es noch packen wird und der sich einen bequemen Weg aus dem Aus zusammen spinnt: ein Mord, zu begehen aus Liebe zu Frau und Geld.

Doch je länger Harry Mann erzählte, desto unsicherer wurde ich mir meines Urteils. Zu überzeugend war sein Gesicht, als er berichtete, wie wenig nach dem ersten Mord Gefühle und Zahlungen seinen Erwartungen entsprachen; zu erstaunt waren die Worte, mit denen er beschrieb, wie er, der ehemals werdende Sozialfall, sich plötzlich aus seinem harmlosen Hinterhof-Alltag in eine weite Welt aus Betrug und Erpressung, aus Machtmissbrauch und Korruption katapultiert sah, in der seine individuellen Verfehlungen längst die heimliche Regel waren.

Spätestens, als seine Erzählung bei den Umständen anlangte, die ihn Stück für Stück zu einer Art Nachbesserung gezwungen hatten, so dass bald ein Mord den anderen gab und seine Geschichte, die als eine private Untat in Berlin begonnen hatte, in Los Angeles bundesdeutsche Geschichte zu machen drohte, spätestens da war ich mir sicher, dass Harry Mann die Wahrheit sagte.

An die Stelle meines anfänglichen Unglaubens trat nun Abscheu. Ich saß da und speiste vorzüglich mit einem mehrfachen Mörder, einem gewissenlosen Subjekt ohne Scham oder Reue! Einem Mann, der ungerührt getötet hatte, erst aus Geldgier und Geilheit, dann aus Feigheit und Schwäche.

Aber Harry Manns Erzählung war noch nicht zu Ende, und je mehr er mir erzählte, wieweit die dilettantische Verschwörung aus weltläufigem Kapital und provinzieller Politik gegangen war, wer ihn betrogen und ausgenutzt hatte, wann erst er die volle Wahrheit erfahren hatte, desto harmloser erschienen mir seine Taten.