Epilog: Wiedersehen mit Harry Mann

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In meiner Erziehung – sie fand, Gipfel der Ironie, ausgerechnet in Hannover statt – gab es keine Polizisten, die mit Waffenhändlern gemeinsame Sache machten; keine machthungrigen Politiker, deren Fahrer auf Autobahnraststätten größere Summen Bargeld entgegennahmen; keine Landesväter, die die Mauern staatseigener Gefängnisse in die Luft sprengen ließen. Kurzum, es gab keine vertuschten oder ungeklärten Kapitalverbrechen und infolgedessen auch keine heroischen Privatdetektive, die im alltäglichen Augiasstall aufräumen mussten. Das soziale und politische Klima schien in der kaputten heilen Welt, in der ich aufwuchs, so grundehrlich wie Erik Ode, der kleine Kommissar, der gute Mann von München.

„Ein korrupter Staat, organisiertes Verbrechen, Macht und Geld über alles – das hätte einem doch keiner geglaubt!?“ sagte ich also zu Harry Mann. „Wie sollte ich da einen realistischen Krimi schreiben?“

„Das waren andere Zeiten“, nickte der mit einer Naivität, die ich bei einem vielfachen Mörder geradezu rührend fand. „Unter Willy wurden keine Wanzen in Hotelzimmern installiert! Seine Schützlinge ließen ihre politischen Gegner nicht observieren, um dann selbst in hässlichen Badewannen zu verenden …“

„Bingo“, sagte ich. „Und mit einem realistischen Thriller verhält es sich leider wie mit einem guten Cocktail: Alles hängt von den Zutaten ab. Stehen sie nicht zur Verfügung, hilft auch viel Phantasie nicht weiter.“

Wer es damals dennoch versuchte, konnte nur auf Nummer Bieder gehen. Harmlos und provinziell schritt das Gros der heimischen Produkte einher im Vergleich zum amerikanischen, auch zum italienischen und französischen Vorbild – nicht oder nicht allein, weil die Autoren schlecht waren.