1 Transatlantische Mausefalle

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Dolores öffnete die Tür. Obwohl der Bonneville nicht gerade zu den kleinsten Wagen gehörte, hatte sein Fahrer einige Probleme, sich hinter dem Lenkrad hervorzuschrauben. Professor von Brauchangen war ein plumper Hüne mit einem ungeheuren Bierbauch, fast zwei Meter groß und über zwei Zentner schwer, und er steckte in einem schlecht sitzenden grauen Einreiher, der sein ungeschlachtes Äußeres noch betonte. In keinem unpassenderen Aufzug hätte der Schatzmeister der Berliner CDU unter die kalifornische Sonne treten können. Neben ihm verwandelte sich die stämmige Dolores in eine elfenzarte Liliputanerin.

Paps sah wieder hinüber zu der Terrasse. Der Tisch war inzwischen fertig gedeckt. Lupina kam und brachte den Kaffee. Paps legte den Feldstecher beiseite und setzte den Kopfhörer des Walkman auf. Er schaltete das Radio ein und drehte an der Skala, bis er die Schritte des Dienstmädchens hörte.

Zufrieden lehnte er sich in seiner Hollywoodschaukel zurück und schloss die Augen. Von Ferne näherten sich Stimmen. Paps tastete nach dem Walkman in seinem Schoß und drückte den Aufnahmeknopf.

„… ungewöhnlich gut“, sagte von Brauchangen. Er berlinerte leicht, weniger in der Aussprache der Worte als im knarrenden Tonfall. Karin Block und ihr Gast betraten die Terrasse.

„… jedenfalls für diese Jahreszeit. Ahh … natürlich kein Vergleich mit dem Wetter, das Sie hier haben.“

Paps konnte sich die Gesten vorstellen, mit denen der pompöse Professor seine Worte begleitete. Die Schritte, von Brauchangens schweres Bollern und das harte Klacken der hohen Absätze, die Karin Block trug, entfernten sich wieder von der geschützten Essecke, in deren Blumenbeet das Sendemikrophon steckte.

„Diese Stille, diese himmlische Ruhe! Und diese Aussicht! Wunderbar!“

Professor von Brauchangen schnaufte, als wollte er die wunderbare Stille und die wunderbare Aussicht durch die riesigen Löcher seiner Nase einsaugen.

„Ja“, sagte Karin Block, „wenn man hier ist, könnte man die Welt vergessen.“ Ihre Stimme war befangen. „Leider existiert der Alltag außerhalb dieses Paradieses weiter. Mit einem Haufen von Problemen und viel Ärger.“

Die Schritte der beiden näherten sich wieder dem Sendemikrophon. Stühle wurden gerückt. Eine dritte Person kam auf die Terrasse.