1 Transatlantische Mausefalle

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Jetzt allerdings hätte ihm selbst eine göttliche Eingebung nicht mehr helfen können. Es war bereits sieben Uhr. Vier, fünf Stunden noch und ein bisschen Glück, vielleicht dann …

Dank Kellings verfluchter Einladung blieb ihm diese Zeit nicht mehr. In spätestens dreißig Minuten musste er los; frischrasiert und schweradrett.

Harry Mann starrte auf den Bildschirm. Der Alarm, der dort blinkte, faszinierte ihn. Er hatte die Anzeige selbst programmiert; sie war zugleich Stoppuhr, Wecker und Weltzeituhr. Im Halbkreis um die Mitte des Bildschirms leuchteten die Ortszeiten rund um den Erdball: 3 Uhr mittags war es jetzt in Rio de Janeiro, 10 Uhr abends in Teheran, 3 Uhr bereits am nächsten Morgen in Tokio.

Harry Mann trank den letzten Schluck des Campari Soda, den er sich vor Stunden aus der Küche geholt hatte; das Glas enthielt nur noch lauwarmes, geschmolzenes Eiswasser und, wie er zu spät sah, eine tote Eintagsfliege. Er spuckte, was er getrunken hatte, zurück ins Glas und schob es weit von sich.

Natürlich wusste er, aus welch kindischem Grund ihn diese Anzeige, überhaupt die geordneten Pingeligkeiten des kleinen grauen Kastens faszinierten: Weil der vom Computer geforderte Wille zur Präzision und die garantierte Sicherheit, dass nichts in seinem künstlichen Kosmos, aber auch nichts als das Eingegebene geschah, einen wohltuenden Schleier über das Durcheinander, das herrschende Chaos, das Tohuwabohu der wirklichen Welt deckte.

Und weil diese Präzision ein Hort des Widerstands war. Denn dass nichts im Leben lief wie geplant, war eine gewaltige Untertreibung der simplen Wahrheit, dass alles Leben ungeplant verlief.