1 Transatlantische Mausefalle

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Versandete; sich erschöpfte in sinnlosen Anstrengungen.

6 Uhr am Samstagmorgen in Neuseeland, 10 Uhr heute, Freitagmorgen in Los Angeles. Dort schien jetzt die Sonne, deren Strahlen hier verblassten. In den achtunddreißig Jahren seines hektisch leerlaufenden Lebens hatte er Europa nie verlassen. Der Gedanke an die ungleichzeitige Gleichzeitigkeit der Welt verwirrte ihn immer wieder aufs Neue. Gerade noch vorstellen konnte er sich, was die Menschen ein paar Straßen weiter, außerhalb seines Hinterhofghettos, in diesem Augenblick tun mochten.

Er schloss die Augen und sah, wie Rudolf Kelling in einem bescheidenen Reihenhaus draußen in Konradshöhe die Füße auf den Couchtisch gestreckt hatte, ein Glas Bier trank, die Sieben-Uhr-Nachrichten schaute, während seine Frau, wahrscheinlich ein verhuschtes Mäuschen, das sein graues Versandhaus-Kleidchen mit einer verwaschenen Schürze vor Flecken schützte, eifrig um den halb gedeckten eichenen Esstisch wuselte.

Wie sterbenslangweilig, wie bedeutungslos im Vergleich zu all dem, was in diesen selben Minuten überall auf diesem Planeten geschah, zur selben Zeit an einem anderen Ort, in einer Welt, in der die Uhren anders gingen …

*

Die Luft hier oben in den Bergen war noch frisch wie der Morgen, sauber und klar, und sie roch nach Eukalyptus und Tannenharz, nach tausend Blüten und nach dem kühlen Wasser, mit dem die Beete und die exakt geschnittenen Büsche gerade besprengt worden waren. Der Himmel über dem geweißten Anwesen strahlte knallig blau, und die Sicht von der Terrasse zwischen Haupthaus und Canyon reichte weit hinaus über die Steilwand und die kahlen Täler dahinter bis zu der silbern glänzenden Spiegelfläche des Pazifischen Ozeans, der in zwanzig Meilen Entfernung an die Küste stieß. Es würde ein sonniger Tag werden, ein Tag wie die meisten in diesem Land des ewigen Frühlings.