1 Transatlantische Mausefalle

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Paps wusste, dass es keinen Sinn hatte, mit seiner Arbeitgeberin vor dem Frühstück und bevor sie ihren Kater überwunden hatte, ein Gespräch zu beginnen. Wenn es anginge, von einer Millionenerbin und erfolgreichen Geschäftsfrau, deren diverser Besitz ihr jeden Tag mehr als eine Million Reingewinn einbrachte, zu behaupten, dass sie faul und nichtsnutzig sei, verkommen und vergnügungssüchtig, undiszipliniert und schlecht erzogen … Aber so etwas ging eben nicht an; obwohl Paps jede Wette gehalten hätte, dass Friedrich Block, des Teufels Schwiegersohn, Judenfresser-Fritz, der fleißigste Kriegsgewinnler aller Zeiten und Begründer des Blockschen Imperiums, Gott habe ihn selig, genau das von seiner jüngsten Tochter heute denken würde.

Paps leerte die Gießkanne langsam und sorgfältig auf das Beet roter Rosen neben der vor Wind und Sonne geschützten Essecke, die den Canyon wie ein Adlerhorst überragte. Karin Block, für die er jede Art von Drecksarbeit erledigte, zählte zu den zehn reichsten Privatpersonen Deutschlands; das konnte man mit schöner Regelmäßigkeit in den Klatschspalten der Regenbogenpresse nachlesen; und seit kurzem auch in den Leitartikeln gewichtiger Blätter. Millionen hatte sie unter Politiker aller Couleur verteilen lassen. Ihm, dem pensionierten Hauptkommissar, zahlte sie für seine verschwiegenen Dienste achttausend pro Monat. Brutto. Lausige achttausend Dollar. Paps fühlte sich Karin Block nicht zu Dank verpflichtet.

Der alte Mann stellte die Kanne ab, bückte sich leicht stöhnend und pflückte eine der Blumen, wobei er einen dunklen metallenen Gegenstand von der Größe einer Tonbandkassette so in die feuchte Erde drückte, dass er nur noch einen knappen unauffälligen Zentimeter herausragte.

Als er sich wieder aufgerichtet hatte, blickte er Karin Block direkt in die großen dunkelbraunen Augen. Sie hatte sich halb aufgesetzt, so dass ihre langen schwarzen Haare die rechte Brust fast verdeckten, und sah ihn neugierig an. Ihr flacher Bauch warf dazu tiefe Falten, die das Alter der strapazierten Haut verrieten.

„Für Mamma!“ sagte Paps, hielt die Rose linkisch hoch und versuchte, jungenhaft zu lächeln.

„Soviel du willst, Paps“, sagte Karin Block. Sie legte sich wieder zurück und spreizte wohlig die Beine.