1 Transatlantische Mausefalle

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Doch unbestreitbar gab es diese andere Welt, sie war immer da, zugleich mit ihm und seiner banalen Berliner Langeweile. Eine ungeheure Menge bedeutender Aktionen in jedem Augenblick seiner Untätigkeit: Wie viele Menschen spürten gerade jetzt ein Stück wirkliches Leben kommen, nackte Paare, die das vierbeinige Tier machten, Ungeborene auf dem Weg ins Licht, Sterbende mit einem letzten verzweifelten Atemzug, Glückliche und Unglückliche, sie alle spürten es kommen, irgend etwas; und er spürte nichts; wusste von nichts; kannte nur Fernsehbilder vom Leben und Sterben draußen jenseits des sicheren Käfigs, sinnlose Fetzen von Hunger und Krieg, von Erdbeben und Unfällen, von Epidemien und Amokläufen.

Mehr geschah, als seine Phantasie sich vorstellen konnte, und mehr auch könnte ihm eines Tages geschehen; er musste nur warten, geduldig abwarten. Weil er das fest glaubte, faszinierte ihn der kleine graue Kasten, der alle Phasen dieser Gleichzeitigkeit, selbst die Stunden, die ihm heute fehlten, die Lebenszeit, die er seit Jahren verbummelte, gleichgültig verrechnete. Die Neutralisierung seiner inneren Uhr, die Reduzierung jedes Verlustes auf winzige Teilchen erlaubte ihm, nichts zu ändern, ohne allzu große Zweifel weiterzumachen wie bisher und all die Gefahren und Verlockungen zu missachten, die aus der Ferne anderer Orte und Zeiten dem eigenen Wohlergehen und der bequemen Unzufriedenheit drohen mochten.

Aber wirklich vergessen, was alles irgendwo da draußen war, das konnte er nicht; die Abenteuer, die Morde, das Leiden; das Glück. Und so hätte es ihn nicht übermäßig verwundert, wenn er erfahren hätte, dass in wenigen Augenblicken drei Menschen, von denen keiner auch nur Harry Manns Namen kannte, über den erklecklichen Rest seiner „DateItems“ entscheiden würden.

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