6 Venice sehen…

Mann ließ den Zoom vor- und zurückfahren und tastete Stück für Stück die Körper ab.

Der Mann war mittelgroß, Mitte Vierzig und höhensonnengebräunt. Sein dichtes Haar schimmerte zu silbernweiß, um nicht gefärbt zu sein. Das Gesicht besaß kaum Konturen, nur der Mund war hart und schmal. Das Kinn wirkte weich und bekam allmählich eine doppelte Linie. Unter dem maßgeschneiderten Hemd zeichnete sich sanft der beginnende Bauch ab. Ein Fall für den Heimtrainer.

Mann schwenkte die Kamera. Die rote Bluse, deren oberste Knöpfe geöffnet waren, spannte sich unter dem Druck der breiten Schultern und schweren Brüste. Der Hals der Frau war weiß und im Nacken von der Sonne leicht rosa gefärbt. Ihr Haar trug sie sehr kurzgeschnitten, kürzer als ihr Mann. Ihr Mund war breit, und ihr Lächeln schien unverkrampft. Mann vermochte nichts Zierliches an ihr zu entdecken. Wenn sie sprach, traten ihre Lippen hervor, und die Nasenflügel weiteten sich. Ihr Oberkörper wurde mühsam von einem BH aufrecht gehalten, dessen Druck die erigierten Brustwarzen wie zwei Glasmurmeln hervortreten ließ. Auch die überstrapazierten Shorts erlaubten keine Zweifel an dem, was darinnen steckte, und das Fleisch der nackten Schenkel glänzte auf eine ungesunde Art weiß und fast noch fest.

Aus unerfindlichen Gründen war Mann die Frau sympathisch.

Nach zehn Minuten hatte die Familie ihr Picknick beendet, und die drei gingen hinunter zum Wasser. Dort standen sie unschlüssig herum und schienen sich über den weiteren Verlauf des Ausflugs nicht einigen zu können. Ihre sechs Hände fuchtelten in alle Himmelsrichtungen.

Das Mädchen wandte sich schließlich um und stapfte davon, zum nördlichen Ende des Strandes. Die Eltern blieben einen Augenblick stehen und sahen ihr hinterher. Dann hakte sich die Frau bei dem silberschopfigen Mann unter, und die beiden spazierten in die entgegen gesetzte Richtung.